>>Ärztin klagt erfolgreich gegen Jameda

Ärztin klagt erfolgreich gegen Jameda

Eine Kölner Dermatologin hat am Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe erfolgreich gegen das Ärztebewertungsportal Jameda geklagt. Vor Gericht erstritt sich die Hautärztin die Löschung aus dem Bewertungsportal. Das Grundrecht der Ärztin auf informationelle Selbstbestimmung überwiege in diesem Fall als das Recht von Jameda auf Meinungs- und Medienfreiheit, erklärten die BGH-Richter in ihrer Urteilsbegründung. Die Entscheidung ist ein Grundsatzurteil und hat damit direkte Auswirkungen auf andere Ärztebewertungsportale.

Wie kam es dazu?

Die Hautärztin hatte Jameda verklagt, weil das Bewertungsportal gegen den Willen der Ärztin einen Profileintrag führte. So wurde die Ärztin mit ihrem vollständigen Namen, akademischen Grad, Fachrichtung und Praxis auf dem Portal gelistet, ohne dass sie hierfür ihr Einverständnis erteilt hatte. Zudem wurde die Dermatologin mehrfach negativ bewertet und in Rezensionen persönlich angegriffen. Durch einen Anwalt konnte sie die entsprechenden Einträge löschen lassen. Parallel verlangte die Ärztin von Jameda, dass das Portal alle ihre Daten aufgrund der Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte komplett löschen sollte. Jameda jedoch berief sich auf die bestehende Meinungs- und Medienfreiheit. Dass diese jedoch in diesem Fall nicht überwiege, entschieden die Richterinnen und Richter. Das Bewertungsportal hätte die gebotene Neutralität derartiger Portale verlassen, weil das Geschäftsmodell jene Ärzte begünstige, die für ihren Premium-Eintrag zahlten.

Welche Auswirkungen hat dieses Urteil?

Das Karlsruher Urteil vom 20.02.2018 wird weiterhin Folgen für andere Bewertungsportale und Plattformen haben, die ein ähnliches Geschäftsmodell einsetzen. Jameda reagierte sofort auf das Urteil, indem die Plattform verkündigte auch in Zukunft keine Ärzte-Profile zu löschen. Als Wegbereiter könnten nun weitere Klagen anderer Medizinern folgen. Diese könnten sich auch gegen Mitbewerber und Konkurrenten von Jameda richten, da die BGH-Entscheidung auf andere Bereiche übertragbar sein könnte.

2018-06-23T18:59:25+00:00